Homeoffice und Homeschooling: Tipps und Tricks für ihr Internet


Homeoffice, Homeschooling, Video- und Audio-Streaming, Musik und Informationen übers Internet. Die Daten-Leitung in vielen Privaträumen ächzt und knirscht. Abhilfe ist oft möglich. Die Stichwörter: Repeater, Mesh, Access-Point. Wenn das Internet zuhause zu langsam ist, ist das aktuell nicht nur ärgerlich, sondern kann während des Lockdowns auch Homeoffice oder Homeschooling nahezu unmöglich machen. Doch es gibt einige Tricks, die das Internet schneller machen. 

Wie kann es sein, dass man Breitband bestellt hat, aber nur ein Datenrinnsal bekommt?

Das liegt an den "Bis-zu" Angaben im Vertrag. Die Telefongesellschaften dürfen zwar nicht dauerhaft weit darunter liegen. Aber zeitweise kann das eben schon passieren. Das Problem ist häufig: Die Leitungen laufen grundsätzlich gut, aber zu Stoßzeiten oft eben nicht. Der Grund: Man teilt sich das Kabel mit den Nachbarn. Und gerade zu Stoßzeiten, also in der Früh wenn sich alle für Homeoffice oder Homeschooling in die Netze einloggen wird es eng. Die Verbraucherzentrale Bundesverband hat immer wieder bemängelt, dass das zwangsläufig zu niedrigeren Geschwindigkeiten führt und dass es außerdem in solchen Fällen bislang keinen Rechtsanspruch auf Sonderkündigung oder Minderung der Gebühren gibt. Immerhin, derzeit wird an einer Reform des Telekommunikationsgesetzes gearbeitet und so wie es aussieht bekommen Verbraucher dann zumindest etwas mehr Rechte an die Hand.

Man kann sich also nicht unbedingt auf die Angaben der Anbieter verlassen und muss überprüfen, was wirklich ankommt?


Das ist ratsam, zumindest wenn man das Gefühl hat, das Internet ist immer wieder deutlich zu langsam. Man kann das selbst messen: Es gibt viele Seiten im Internet z.B. Speedtest.net oder die Seite der Bundesnetzagentur breitbandmessung.de. Dort gibt es auch eine App mit der man die gemessenen Werte und die Zeiten dazu abspeichern kann. Das dient dann als Argumentationshilfe gegenüber dem Internetprovider. Vor allem wenn es künftig ein Recht gibt, bei zu langsamen Internet die Gebühren zu mindern.

Welchen Internetanschluss braucht man, um eine vierköpfige Familie zu versorgen?


Dabei muss auf die Übertragungsgeschwindigkeit achten, die im Vertrag steht: 50 mBit/sec sind im Prinzip ausreichend, wenn alle nur Videokonferenzen abhalten. Falls es mal eng wird, passen die Videokonferenzsysteme den Stream – also die Bildqualität – an. 100 mBit/sec wären besser, denn größere Downloads von Datenpaketen sind bei niedrigeren Kapazitäten ein Problem und auch bei Onlinespielen wird es schnell eng. Zu bedenken ist: Die 50 mBit/sec gehören dem Nutzer mit seiner Familie meist nicht allein und zu Stoßzeiten ziehen die Nachbarn dann womöglich einen guten Teil der Bandbreite weg.

Wie groß ist die Auswahl der Anbieter?

Nicht allzu groß. Im Wesentlichen heißen die Anbieter "Telekom" und "Vodafone", mit Abstrichen auch "O2" von Telefonica. Dazu kommen oft noch regionale Anbieter wie zum Beispiel "Mnet" in und um München. Die anderen Provider mieten in der Regel die Netze von Telekom oder Vodafone an und verkaufen sie dann unter ihrem Namen, aber teilweise auch mit Leistungseinschränkungen, weiter. Meistens bekommt man Internet und Festnetz zusammen angeboten, aber es gibt auch die Möglichkeit, sich den Internet-Zugang über das Mobilfunknetz buchen. Damit hat man verschiedene Übertragungswege, um ins Internet zu kommen.

Könnte das Mobilfunk-Netz helfen?


Man kann für den Internet-Zugang auch eine Kombination aus Festnetz und Mobilfunk wählen. Der Router - also das Internetzugangsgerät - schaut gewissermaßen, wo es gerade besser läuft und wählt dann den entsprechenden Weg, entweder Festnetz oder Mobilfunk. Das kann in Gebieten helfen, wo das Festnetz sehr langsam ist. In anderen Gebieten bringt das eher wenig. Bei einem normalen Festnetzausbau wird das Mobilfunknetz nur selten höhere Geschwindigkeiten liefern. Und: Das ist eine komplexe Technik, denn der Router muss sich einmal ins Mobilfunknetz einbuchen, dann wieder ins Festnetz und er muss immer wieder zwischen beiden hin-und herschalten. Da kann es zu Verzögerungen kommen.

Angenommen, die Bandbreite passt, worauf soll man bei der Installation des Routers achten?


Wenn man einen drahtlosen Internetzugang, ein sogenanntes WLAN verwenden möchte, dann sollte man den WLAN-Router nicht irgendwo in der letzten Ecke des Hauses aufstellen, vielleicht noch hinter dicken Betonwänden. Den Router möglichst weit oben aufstellen und nicht auf dem Boden.

Und: Nicht vor Heizungen, denn in den Heizkörpern ist Wasser drin und das beeinträchtigt das Funksignal.

Bringen Verstärker etwas, damit es zum Beispiel in einem Haus überall gutes WLAN gibt?

Das kann etwas bringen. Solche Verstärker nennt man "WLAN Repeater". Allerdings sollte man nicht die billigsten Geräte nehmen. WLAN-Repeater gibt es schon für 15 oder 20 Euro. Aber das Problem ist: Diese Geräte verstärken nur das Signal und machen sonst nichts. Sie wählen sogar die gleiche Frequenz, die man auch für die Verbindung zwischen Router und Laptop oder Tablet braucht. Folge: Die Bandbreiten muss zwischen diesen Verbindungen aufgeteilt werden und das Internet wird deutlich langsamer. Es gibt zwei weitere Möglichkeiten, die in eine ähnliche Richtung gehen und etwas effektiver sind: Die sogenannte "Mesh-Technologie" ist flexibler, denn sie verschaltet oder "vermascht" den Router mit einem oder auch mit mehreren weiteren Sendekästchen, die man im Haus oder in der Wohnung aufstellt und sie nutzt vor allem mehrere Frequenzen. Die dritte Variante wäre ein "Acces-Point". Hier wird es allerdings ein wenig unpraktisch, weil man diesen zusätzlichen Sender im Haus per Kabel mit dem Router verbinden muss. Aber der "Access-Point" bringt deutlich bessere Ergebnisse als der "Repeater", er arbeitet quasi wie ein zusätzlicher, unabhängiger Router.

Gibt es noch einen Grund, warum das WLAN überlastet sein kann?

Es kann sein, dass zu viele Haushalte in der Umgebung ihr WLAN laufen haben und deren Router alle genau die gleiche Frequenz benutzen. Deshalb gibt es die Möglichkeit am Router aus 13 Kanälen zu wählen und den Kanal zu ändern. Welcher Kanal überlastet ist, das kann man mit dem Handy herausfinden. Dafür gibt es sogenannte "Wifi-Analyser". Diese zeigen, auf welchem der 13 Kanäle die wenigsten Nachbarn unterwegs sind – und den Kanal sollte man dann auswählen. Das kann man selber machen, da kann einem aber auch die Hotline z.B. der Telekom helfen.

Kann man denn auch die Last fürs Netz verringern?

Das ist natürlich am einfachsten, wenn es denn möglich ist. Wenn das Internet zu langsam wird oder zwischendurch ganz ausfällt, dann heißt die schnellste Lösung "Datenverkehr reduzieren". Also: Nicht alle im Haushalt sollten dann gleichzeitig übertragungsintensive Anwendungen wie Spiele, Videos oder Downloads am Laufen haben.


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© Bildquelle: Bild von Steven Weirather auf Pixabay | Textquelle: BR, vom 04.02.2021, 13:11 Uhr

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